Rohstofflager Tibet (040)
von Marc Alexander Holtz
Die gegenwärtig verhaltenen Forderungen der internationalen Staatengemeinschaft, gleichwohl auch der Medien, ob der blutigen Auseinandersetzungen in Chinas Region Tibet Milde und Vernunft walten zu lassen, kostet, das ist Fakt, Menschenleben. Den Boykott der Olympischen Spiele als politisches Druckmittel will auch die deutsche Regierung nicht in Erwägung ziehen. Sicher, man will nicht erster sein. Nicht in der politischen Olympiade dieser Tage. Nicht nur die SPD ist also führungslos, die Staatengemeinschaft ist es genauso. Profillosigkeit und Wirtschaftsabhängigkeit grassieren auf dem Erdenrund. Oder Verlogenheit. Denn die Staats- und Regierungschefs wissen um das Elend des Himalaja-Volkes und dessen Ausbeutung. Tibet gilt als ärmste Region der Volksrepublik. Bekannt ist auch das Wohlstandsgefälle zwischen eingewanderten Han-Chinesen und den Einheimischen. Eine Art Kolonialpolitik. Die Tibeter werden diskriminiert, nicht erst seit den neu entfachten Aufständen. Auch in der Wohnungsbeschaffung, auf dem Beschäftigungssektor, im Schulwesen - die Probleme werden maginalisiert. Durch den bewusst gesteuerten Bevölkerungstransfer leben in allen Ballungszentren Tibets mehr Chinesen als Tibeter.
Die höchste Bahnstrecke der Welt, indes eine hohe Ingenieurskunst, gebaut von Chinesen, dient denselben zum Abtransport der regionalen Landesressourcen, dem enormen Reichtum an Bodenschätzen. Eine der Hauptgründe der Invasion der Chinesen im Jahre 1949. Chinas Industrialisierung und wirtschaftlicher Aufschwung verlangt einen kontinuierlich ansteigenden Verbrauch an Mineralien und Energie. Davon ist China abhängig. Die reichen Vorräte Tibets kommen nicht nur gut gelegen, sie liegen gut. In Tibet wurden einige der bedeutendsten Erdvorkommen an Mineralien identifiziert. Darunter Uran, Bor, Eisen, Erdöl, Erdgas, Gold, Silber, Graphit und Schwefel, um nur einige zu nennen. China wünscht nichts mehr als Autarkie in Bezug auf die eigenen Rohstoffbedarfe. Vollkommen verständlich.
Freiheit für Tibet gibt es eben nicht. Gab es nicht. Wird es nicht geben. Deshalb resignieren auch wir. Deshalb hat sich dieser Tage Hass entladen. In Tibet. Gegen die Besetzung, gegen Peking, die Blockade, die Chinesen, das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten und Schüler, von dem auch die westlichen Medien nun kaum mehr etwas mitbekommen. Die chinesische Zensur ist inzwischen rigoros. Vor den Augen der internationalen Öffentlichkeit ist der Vorhang gefallen. Der Aufstand der Tibeter beendet bzw. fortan eine innere Angelegenheit der Chinesen selbst. Das Ultimatum der Regierung in Peking gegenüber den Demonstranten und ihrer Anführer, sich zu stellen, ist seit heute 17 Uhr, mitteleuropäischer Zeit abgelaufen. Milde, heißt es aus chinesischen Regierungskreisen, will man nur die behandeln, die ihre Anstifter verraten. Es kommt vielerorts zu Massenverhaftungen, heißt es den Angaben von Exil-Tibetern und Nachrichtensendern zufolge. Auch im Ausland schürt sich der Hass auf die Regierungsvertreter Chinas. Botschaften werden bereits attackiert.
Auf der Internetseite des tibetischen Zentrums für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD), heißt es, dass Schüler, die sich zur Demonstration in Lhasa zusammengefunden hatten, von den Sicherheitskräften schwer misshandelt und abtransportiert worden sind.
Die aktuelle Lage vor Ort ist offiziell nicht mehr einsehbar. Sie ist auch darum ernst. Wer von Tibet aus noch Informationen nach außen gibt, gefährdet seine persönliche Freiheit oder das Sicherheitsbehörden innerhalb weniger Minuten auf ihn aufmerksam werden und vor seiner Tür stehen. Fast alle Ausländer haben bereits das Land verlassen.
Es mag sein, dass Boykotte nicht zum Ziel geführt haben, als man sie in der Vergangenheit beging. Doch sie sind ein Statement, haben Symbolkraft und sind vor allem ein Eingeständnis für Werte. Werte wie Menschenrechte, Demokratie, Minderheitenschutz. Welche Wirkung, außer den Imagegewinn der angeblich insgesamt 63 Sponsoren sowie der Volksrepublik China, soll der olympische Sport entfalten wenn er stattfindet? Die Austragung der olympischen Spiele werden, sofern man es so darstellen will, einen Verrat an unseren westlichen Werten, schon der Einfachheit wegen leugnen. Es klingt jedoch etwas vermessen, die Diskussion um einen Boykott auf dem Rücken der Sportler auszutragen, mit der Argumentation, dass die Athleten schließlich sehr lange Zeit für solch ein Ergeinis trainierten. Eher wäre es interessant zu erfahren, welche Position, beispielsweise hier in Deutschland, die verantwortlichen Sponsoren wie VW, Adidas und Schenker in der Tibetfrage und der Forderung um einen Boykott der Spiele einnehmen. Zu den weiteren internationalen Partnern des IOC im Hinblick auf die Finanzierung der Olympischen Spiele gehören Atos Origin, Coca-Cola, General Electric, Johnson & Johnson, Kodak, Lenovo, Manulife, McDonald’s, Omega, Panasonic, Samsung und Visa.
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März 20, 2008 um 2:39
Das Gefährliche ist, dass ein Boykott oft die Lager verhärtet. Ich glaube nicht, dass China und die Chinesen dann mehr über Moral in Tibet nachdenken als dass sie erst recht versuchen Stärke und Unabhängigkeit zu beweisen.
Ein Boykott trifft leider die Sportler und das Volk mindestens genauso hart wie die Politiker. Da gibt es Wege und Mittel, die vielleicht gezielter Politik und Militär Chinas treffen. China macht es ja selber immer wieder vor. Man bleibt von “politisch wichtigen” Verantsaltungen fern. Man lädt Diplomaten wieder aus. Man sagt Deals ab. Sorgt vielleicht nicht für den gleichen Aufschrei im Volk, aber vielleicht ist diese subtile Art ja auch wirkungsvoller, weil sich nicht gleich das Volk hinter die “Betroffenen” stellt.
März 20, 2008 um 7:34
Ich denke, die Gefahr ist jetzt natürlich ohnehin vorhanden. Ob mit oder ohne einen Boykott. Die Menschenrechtsverletzungen insbesondere im chinesischen Tibet geschehen davon unabhängig. Doch die Verbesserung der Menschenrechtssituation in China war aber eine Bedingung, um die Spiele in Peking bzw. China auszutragen. Das ist mit den Geschehnissen in Tibet so gesehen unvereinbar. Den Sport über das Leben von Menschen zu stellen, gelingt mir nicht.
April 9, 2008 um 8:55
Der Boykott ist in meinen Augen nur ein von vielen, nur dass dieses mal die Medien an dem Thema dran sind weil es ja schließlich auch um Olympia geht. Vergessen sind doch z.B. schon wieder Themen wie die Kurdenfrage oder was ist mit Palästina. Auch diese Unterdrückungen sind nicht vorbei, sie werden nur halt gerade nicht thematisiert. Es herrscht doch eine allgemeine Medienblindheit. Wenn in den Medien schon kleine knudellige Eisbären wichtiger sind, als Unterdrückung, Gewalt, Hunger usw. dann kann man nur gute Nacht sagen. Aber schauen Sie sich doch bitte die Top Beiträge auf WordPress an! Worum geht es denn da? Um kleine pubertierende Jungen, Wollwaren, Schnee im Irgendwas.
schöne Grüße