Zum Glück - ein Essay (008)
Betrachtungen eines ebenso kurzen wie individuellen Phänomens:
Das Leben vergeht schneller, wenn es ein glückliches ist. Dennoch möchten Menschen Glück „haben“ oder „im Glück leben“ – beides setzt voraus, es empfinden zu können.
Die Empfindung dessen, was wir Glück nennen, ist ein erstaunliches Gefühl von kurzer Dauer. Sich an das Glück zu gewöhnen, gelingt uns selten. Denn was uns glücklich stimmt, geht allzu oft schnellfüßig an uns vorüber. Der Hunger nach mehr entsteht. Pausenlos streben Menschen nach der Idee von einem vergnüglichen und darum kurzweiligen Leben.
Wir alle besitzen einen geistigen Standort. Einsicht und Denken sind blendende Standortfaktoren für anhaltendes Glück.
Wir Menschen haben das Glück erfunden. Nichtsdestoweniger misslingt es, diese Erscheinung allgemein gültig zu definieren. Ist es Glück gesund zu sein? Zweifelsohne. Aber Gesundheit allein reicht meist nicht aus, um glücklich zu sein. Einsicht und Denken könnten helfen, das Glück rechtzeitig wahrzunehmen, um es im Augenblick seines Zugegenseins zu erfassen. Das Glücksempfinden im Alltag setzt nicht nur Einsicht, sondern auch Achtsamkeit voraus.
Was man tun kann um achtsam zu sein? Aufhören unachtsam zu sein. Gewiss besitzt jeder Mensch Achtsamkeit. Es gibt plakative Beispiele: Menschen pflegen vielfach Achtsamkeit gegenüber ihrem persönlichen finanziellen Wohlstand, ihrem gesellschaftlichen Einfluss, den wöchentlichen Kontobewegungen oder dem gegenüber was wir „Karriere“ nennen. Ist es Achtsamkeit gegenüber dem was sein soll oder dem was ist, wenn wir nach Mehr streben?
Was uns Menschen Vergnügen bereitet, bekommt einen Wert zugeteilt. Die Tiefe mit der wir Glück dabei empfinden, mag von Mensch zu Mensch variieren. Mit Verlaub: Was macht Sie glücklich? Dass man Sie schätzt, Sie beachtet, Ihnen Gedankenlosigkeit verzeiht oder Sie liebt? Oder ist es ihre finanzielle Geborgenheit? Macht Sie überhaupt irgend etwas glücklich?
Um glücklich zu sein, bedürfen wir keiner Erfahrung, auf die wir zurückgreifen, eingeschliffene Gewohnheiten oder Lösungswege aus immergleichen Quellen. Um frohen Mutes zu sein, bedarf es keines Wissens. Es bedarf der neugierigen Betrachtung dessen, was ist und nicht was sein sollte. Demnach finden wir Glück nicht morgen, sondern dort wo wir sind – im Augenblick.
Es liegt ein Stück weit in der Natur des Menschen, über Glücksmomente hinwegzusehen die einen heimsuchen. Während das Glück um uns herum gedeiht, eilen wir der Idee vom ewigen Glück blindlings hinterher. Glück ist für unseren Verstand sehr diffus und in seinem Wesen undurchschaubar. Der Weg dorthin leuchtet, bis zur Verblendung, vielversprechender als der müßige Weg zu uns selbst. Das Gefühl dem Glück nahe zu sein, ist ein weit verbreitetes. Das Empfinden sein Glück zu verfehlen ebenso. Ihr Glück haben die in der Hand, die auch ihr Unglück selbst verantworten.
Glück ist ein Füllhorn, unerschöpflich nicht nur für den der vergisst, was nicht zu ändern ist. Das eigene Glück lässt sich herbeiführen wie Gedanken. Es ist in uns. Wer glücklich sein möchte, sollte sich selbst erst finden. Würden wir nicht dann aufhören Zuflucht in anderen zu suchen? Wird nicht ein glücklicher Mensch aufhören stetig anderen zu folgen – da er sich selbst gefunden hat?
Glück ist nicht das Gegenteil von Unglück. Das Wegfallen von Unglücklichsein bedeutet sich in einem Zustand zu befinden, der weder negativ noch positiv zu werten ist. Menschen die ihr Glück dem Zufall überlassen, mögen intensive Momente des Glücks durchleben. Eine Häufigkeit wird sich nicht einstellen. Zufälle sind dem Volksmund nach Glückssache. Kann nicht jeder sein Glück selbst in der Hand halten? Ist es Faulheit, die uns die Verantwortung für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse aus der Hand nehmen lässt?
Anleitungen zum Glücklichsein sind auf dem Globus soweit verbreitet wie Chicken McNuggets. Menschen in unglücklichen Partnerschaften wird empfohlen, sich täglich zusammen mindestens neunzig Minuten in ein ernsthaftes Gespräch zu begeben. Um sich auf einer tieferen Ebene kennen zu lernen. Reden und Zuhören sollten dabei gleich verteilt sein. Können Sie sich das vorstellen: 90 Minuten täglich und ernsthaft? Führt nicht Glück, das durch Handeln erlangt wird, zu einer kurzfristigen Empfindung? Wo eine Fähigkeit besteht, bedarf es keiner Mühen.
Aurelius Augustinus, Bischof und Kirchenlehrer (354 bis 430 n. Chr.) notierte, dass wer Glück suche, erwerben solle, was ihm kein Schicksalsschlag entreißen könne. Das ist so Gott will ein geschmackvolles Zitat. Und es gibt eine beengende Anhäufung aus Zitaten derer, die vor uns Glück und dessen Empfindungen in Worten zu formulieren versuchten - von der Kreidezeit bis heute. Aber bringen Erkenntnisse Glückseligkeit? Entsprechendes Verhalten hingegen bringt Veränderung. Der römische Kaiser Marc Aurel war dennoch der Auffassung, dass Glück nur von den guten Gedanken abhängig sei. Mit Verlaub - erkennen Sie bisher Ihre schlechten Gedanken?
Manchmal ist man so verbohrt, dass man mit Gewalt auf sein Glück gestoßen wird. Der Gang durch manche Hölle scheint uns die Bretter (die uns die Welt bedeuten) von dem Kopf zu nehmen. Nur ist es dann mitunter zu spät und das Glück, das wir dem Genuss wegen suchten, neuerlich verflogen. Glück tritt gelegentlich, das ist sicher, auch zu früh ein. Wenn es aber ungenutzt vergeht und wir, wenn auch zu spät, es dann erkennen, mag mit dem vergehenden Glück auch die Unreife vergehen. Ist nicht das schätzenswerteste, fabelhafteste am Leben, das nichts bleibt wie es ist?
Glück ist eine Empfindung und die Herausforderung neugierig und kreativ zu sein. Kreativ, da die Empfindung glücklich zu sein immer wieder abklingen wird und das Verlangen nach immer mehr an diese Stelle tritt. Genügsamkeit ist der Menschen Stärke nicht. Aber endet nicht jedes Bemühen, getrieben von der Motivation „Immer-mehr-haben-zu-wollen“ zwangsläufig in erneuter Unzufriedenheit?
Der Vorstellung vom großen Glück wie einer Idee hinterher zu rennen, verschafft selten mehr als Ermüdung. Unser augenblickliches Glücksniveau – das weiß jeder der ehrlich zu sich ist, lässt sich nicht durch sinnarme Umstände wie finanziellen Reichtum aufwerten. Kurzfristig allerhöchstens - aber dann?
Scheint es oder ist es sinnlos über das Glück nachzudenken? Kaiser Marc Aurel ist anderer Auffassung. Zumindest tendenziell erscheint es, beschäftigt man sich ernsthaft mit dem Glück, zwar eindrucksvoll theoretisch, doch läuft man Gefahr darüber die Praxis zu verlernen. Durchaus mag die Auslese bei dem Versuch, sich mit den Ideen anderer Leute über das Glück auseinander zu setzen, inspirierend sein, doch Wissen macht, wie auch Gesundheit, alleine nicht glücklich. Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung laut Siegmund Freud nicht enthalten.
Sind wir auf dieser Erde um das Glück zu finden oder um danach zu suchen? Sollten wir glücklich sein oder es erst werden?
Der Weg ist nicht immer das Ziel. Denn schon Dasein ist besser als Ankommen.
Text: Marc Alexander Holtz
Im Auftrag des TUSH magazines
Schlagworte: Achtsamkeit, Befriedigung, Denken, der Weg zum Glück, Einsicht, Emotionen, Empfindung, Fähigkeiten, Frohsinn, Gefühle, Glück, glücklich sein, glückliches Leben, Glücklichsein, Marc Aurel, mühelos glücklich, Menschen, Motivation, nicht mehr unzufrieden sein, Siegmund Freud, Unglück, Unglücklichsein, Vergänglichkeit des Lebens, Vergnügen, wie man glücklich wird



Januar 14, 2008 um 2:05
-Prolog!-
glück kann nur, wo ruhe/frieden ist gedeihen, wo-körper & seele sich
in der harmonisierung generalisieren.
glück beginnt dort, wo man sich selbst vergisst, aber den
sinnvoll-notwendigen dienst an anderen nicht vergisst
l.w.
Januar 17, 2008 um 10:32
der glückszustand ist eine droge,
den wir niemals verlassen wollen!
aber er ist ein nebenprodukt,
da es sich hierbei um einen zustand subjektiv-privaten
stillstands handelt.
l.w
Januar 17, 2008 um 12:52
eine dauerhafte sammelstelle des glücks wird es niemals geben:
denn auch wenn wir es nicht wissen, wahrhaben wollen und leugnen
“mit einen bein sind wir in dieser welt mit dem anderen aber
in zeitlosen höhen unter den sternen”
und diese zwei welten sind in uns des öfteren kontrahenten!
l.w.
F i n l e
Februar 23, 2008 um 12:06
glück ist der weg dorthin. wenn es dauerhaft auf unserer schulter sitzen würde, wäre es nicht mehr das glück.
Februar 24, 2008 um 10:06
Nicht mehr DAS Glück, Madame, vielleicht, ja. Am Ende ist es meine Einstellung zum Leben, die mir das Glück wohl oder übel zugänglich werden lässt, mitunter jederzeit. So meine Erfahrung. Ich hoffe Sie kommen auch voran, mit und ohne zu viel Last auf den Schultern.
Ski